Medizin

Seekrankheit kann jeden treffen - auch Dich!

Seekrankheit kann jeden treffen - auch Dich!

Oft erreichst Du die schönsten Schnorchelreviere und Tauchplätze nur mit dem Boot. Aber auch der Reiz, an möglichst abgelegenen Orten die Welt unter Wasser zu erforschen, kann meistens nur mit Hilfe von einem Bootsausflug erfüllt werden. Doch wenn Du auf einem solchen Ausflug seekrank wirst, kann dies alles ruinieren, auch für Deine Mitreisenden. Damit Dir so etwas nicht passiert, erfährst Du hier, wie Du der Seekrankheit besser vorbeugen kannst, die typischen Symptome früh genug erkennst, und wie Du am besten auf sie reagierst, damit Du auf Ausflüge mit dem Boot nicht generell verzichten musst.

Wie entsteht die Seekrankheit überhaupt?

Die Seekrankheit ist eine From der Reise- und Bewegungskrankheit und entsteht ausschließlich in unserem Gehirn. Diesem werden widersprüchliche Sinneseindrücke zugeführt, Informationen die nicht zusammen passen, und als Reaktion darauf wirst Du, wenn Du Pecht hast, seekrank. Gerade widersprüchliche Informationen über die Lage unseres Körpers im Raum und optische Eindrücke, die die Sinnesorgane an unser Gehirn senden, lösen diese Fehlsignale aus. Wenn Du beispielsweise auf einem Boot sitzt, geben Deine Augen an Dein Gehirn die Information, dass sich das Innere des Bootes nicht bewegt, alles darum herum aber schon. Außerdem wird Deinem Gehirn mitgeteilt, dass sich Deine Muskeln zwar nicht bewegen, doch das Gleichgewichtsorgan in Deinem Ohr registriert, dass Dein Körper auf und ab, und hin und her schaukelt. Dein Gehirn empfängt somit eine Fülle an widersprüchlichen Informationen, die keinen Sinn ergeben. Je stärker der Wellengang, umso stärker sind auch die gegensätzlichen Sinneseindrücke. Seekrankheit, die Du über einen längeren Zeitraum aushalten musst, ist eine hohe psychische und physische Belastung.

Wen kann die Seekrankheit treffen?

Wenn Du der Meinung bist, da Du bisher noch nie selbst seekrank geworden bist, wirst Du es auch zukünftig nicht werden, da liegst Du leider falsch, dem ist leider nicht so. Selbst Seefahrer, die schon viele Jahre zur See fahren, sind nicht immun dagegen, auch sie kann es treffen. Grundsätzlich kann jeder Mensch in jeder Phase seines Lebens seekrank werden, davor gefeit ist niemand. Die individuelle Neigung zur Seekrankheit fällt sehr unterschiedlich aus, manche Menschen sind anfälliger, andere weniger.

Kann ich während des Schnorchlns / Tauchens seekrank werden?

Dein Gehirn funkioniert im / unter Wasser genauso wie an Land. Daher kannst Du selbstverständlich auch zu jeder Zeit während des Schnorchelns / Tauchens seekrank werden, wenn sich für Dein Gehrin widersprüchliche Sinneseindrücke ergeben. Aus diesem Grund solltest Du bei Schnorchelrevieren bzw. Tauchplätzen, die hinsichtlich ihrer Topographie (Bodenformation) für Wogen prädestiniert sind, sehr vorsichtig sein, damit Du keine böse Überraschung erlebst.

Symptome von Seekrankheit

Je besser und schneller Du die Symtome von Seekrankheit erkennst, umso souveräner kannst Du darauf reagieren. Symptome sind Warnsignale Deines Körpers, die Dir zeigen, dass etwas nicht stimmt. Bei Seekrankheit werden die Symptome wellenartig schlimmer und können über Stunden, ja sogar Tage anhalten. Seekrankheit kann in 2 Phasen eingeteilt werden:

Phase 1

Das Vorstadium der Seekrankheit beginnt mit leichten, beinahe unauffälligen Symptomen wie:

  • Unwohlsein
  • frösteln oder auch schwitzen
  • kalter Schweiß
  • Kopfschmerzen
  • verstärkter Speichelfluss
  • drückendes Gefühl in der Magengegend

Betroffene wirken müde, gähnen häufig, sind desinteressiert, sie reagieren nur langsam und sind etwas blass im Gesicht. In diesem Stadium beginnt der Körper vermehrt Stresshromone in das Blut zu entlassen.

Phase 2

Nach dem Vorstadium kommt es zur Ausbildung weiterer Symptome:

  • Abgeschlagenheit
  • Lethargie
  • Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • stärkere kalte Schweißausbrüche
  • starke Blässe im Gesicht
  • Zwangsschlucken
  • starke Übelkeit und Sodbrennen
  • Brechreiz
  • Erbrechen ( bringt nur kurzfristig Erleichterung)

Auch wenn der Magen bereits leer ist, kann der Brechreiz bestehen bleiben. Betroffene sind aufgrund der enormen körperlichen Stressreaktion sowohl von Dehydrierung, als auch von Depression gefährdet.

Wie kann ich der Seekrankheit vorbeugen?

Es gibt ettliche Maßnahmen, mit denen Du bereits im Vorfeld versuchen kannst, Seekrankheit zu vermeiden. Manche davon beginnen bereits weit vor Deinem Ausflug mit dem Boot, und umfassen möglicherweise auch die Verwendung spezieller Hilfsmittel, oder gar die Einnahme von Medikamenten. Was Dir persönlich davon am besten hilft, das musst Du selbst herausfinden, denn wie Du bereits eingangs erfahren hast, ist Seekrankheit nicht wirklich berechenbar, und jeder Mensch reagiert anders. Daher solltest Du auch am besten Rat und Unterstützung bei Deinem Hausarzt, Apotheker oder Homöopathen suchen. Beachte bitte auch, dass einige Maßnahmen nur dann wirken, wenn Du sie zum richtigen Zeitpunkt anwendest.

Planung
Hat sich die Seekrankheit erst einmal entwickelt, ist es schwer, sie wieder in den Griff zu bekommen. Daher plane Deinen Ausflug mit dem Boot sorgsam. Muss es unbedingt der lange Ausflug mit dem Boot sein, gibt es keine andere Möglichkeit? Bedenke, große Schiffe liegen ruhiger und stabiler im Wasser als kleine Boote. Wetterbedingungen: Ist etwa starker Wellengang vorhergesagt?
Schlaf
Ausreichend Schlaf sorgt dafür, dass Du körperlich und psychisch fit bist, und dadurch weniger anfällig für Seekrankheit.
Alkohol
Alkohol am Vorabend (selbst kleinere Mengen), erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Du am nächsten Tag auf dem Boot seekrank wirst.
Essen und trinken
Während des Ausflugs mit dem Boot möglichst gekühlte Getränke meiden, wie auch Kaffee, Alkohol und schwarzen Tee, denn dies kann einen bereits angeschlagenen Magen noch mehr reizen. Gleiches gilt auch für scharfes und fettiges Essen. Bedenke, dass ein leerer Magen genauso schlecht ist wie ein überfüllter, daher solltest Du möglichst immer ein paar salzige Snacks griffbereit haben.
Akupressurband
Ein Akupressurband übt Druck auf einen bestimmten Nerven-Punkt an Deinem Handgelenk aus, stimuliert diesen, und bewirkt so positive Effekte gegen Seekrankheit. Es gibt die Bänder für Erwachsene und für Kinder.
Ingwer
Ein altbekanntes Hausmittel gegen Seekrankheit ist Ingwer. Er kann in seiner natürlichen Form, als Tee, Bonbons, Kaugummi, oder auch als Tablette (Kapseln) eingenommen werden. Ingwer macht nicht müde und sollte bereits präventiv vor dem Ausflug mit dem Boot genommen werden.
Reisekaugummi
Kaugummis gegen Seekrankheit sind rezeptfrei erhältlich, und sollten mindestens 30 Minuten vor Reiseantritt genommen werden. Leider haben sie einen Nachteil, sie machen müde, und sind daher für TaucherInnen nicht geeignet.
Pflaster
Die mit dem Wirkstoff getränkten kleinen Pflaster klebst Du dir einfach hinter das Ohr. Doch leider haben auch sie einen Nachteil, sie sind für TaucherInnen nicht geeignet.
Homöopathische Mittel
Auch die Homöopathie hält eine ganze Palette an Mitteln gegen Seekrakheit parat, z. B. Cocculus LM12, Tabacum LM12, Vomitus Heel, Vertigo Heel, Nux Vomica etc.. Welches von all denen für Dich am besten ist, da fragst Du am besten Deinen Hausarzt oder Homöopathen.
Medikamente
Für Medikamente gilt generell, sie müssen rechtzeitig vor Reiseantritt eingenommen werden, sonst können sie ihre Wirkung nicht voll entfalten. Außerdem musst Du hier zwischen zwei unterschiedlichen Ausgangssituationen differenzieren. Einmal geht es um Medikamente für mitreisende Passagiere, und dann noch einmal um Medikamente für TaucherInnen. Für Passagiere gibt es eine ganze Reihe an Medikamente, die die Seekrankheit verhindern, oder zumindest erträglicher machen können. Wirkstoffe mit den Substanzen Dimenhydrinat, Meclozin oder Scopolamin haben entsprechende wissenschaftliche Wirkungsnachweise erbracht. Für TaucherInnen werden keine Medikamente empfohlen, da alle wirksamen Medikamente das zentrale Nervensystem (Gehirn) beeinflussen, und damit die Fähigkeit zu tauchen zu stark beeinträchtigen.

Tipps und Tricks bei Seekrankheit

Solltest Du seekrank werden, gibt es ein paar Tipps und Tricks, wie Du die Symptome möglicherweise abschwächen kannst. So wie die Neigung zur Seekrankheit bei jedem Menschen unterschiedlich ausfällt, so können auch die Tipps und Tricks mal mehr, mal weniger funktionieren. Manche wirken auch nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt angewandt werden.

Medikamente
In den Ländern, in denen Ausflüge mit dem Boot mehr oder wenig zum Alltag gehören, werden oft uns unbekannte Medikamente gegen Seekrankheit verwendet. Es kann sich daher lohnen, sich einmal vor Ort in einer lokalen Apotheke über das Angebot zu informieren. Doch Vorsicht, viele dieser Mittel machen müde, oder haben andere Nebenwirkungen, und sind daher zum Tauchen nicht geeignet.
Frische Luft
Wenn Du merkst, dass Dir unwohl wird, bleib nicht im Innenraum des Bootes, sondern begib Dich unverzüglich an die frische Luft, atme dort tief ein und aus, und fixiere einen Punkt am Horizont mit Deinen Augen.
Hinlegen
Sich hinlegen und die Augen schließen kann helfen, denn so schaltest Du kurzerhand einen der Sinne aus, die widersprüchliche Informationen an Dein Gehirn senden.
Summen oder singen
Angeblich soll summen oder singen helfen, die Syptome der Seekrankheit im Vorstadium abzuschwächen.
Ein Ohr verschließen
Auch bei dieser Variante soll angeblich das Verschließen eines Ohres helfen, einen Sinn abzuschwächen, der widersprüchliche Informationen an Dein Gehirn sendet.
Ab ins Wasser
Manche TaucherInnen behaupten, bei Seekrankheit sollte man sich so schnell wir möglich in das Wasser begeben, das würde helfen. Das mag sein, doch wissenschaftlich bewiesen ist dies leider noch nicht.
Lee
Wenn der Brechreiz nicht mehr zu unterdrücken ist, und es an Bord keine Tüten für den Fall der Fälle gibt, dann begib Dich an Deck. Positionier Dich dort immer auf der windabgewandte Seite (Lee), um die anderen Mitreisenden nicht zu sehr zu belästigen.
Tauchgang
Tritt der Fall der Fälle unter Wasser während des Tauchens ein, dann lass das Mundstück Deines Atemreglers im Mund, damit Du beim Atemreflex auch Luft bekommst. Moderne Atemregler können mit solch einer Situation gut umgehen. Hinterher selbstverständlich gut reinigen.

Mehr zu diesem Thema findest Du in:

Richtig Schnorcheln

Dieses Buch ist die moderne und aktualisierte Version des früheren Bestsellers Schnorcheln von A-Z.

Autor:
Frank Thiele
Verlag:
Paul Pietsch Verlage, Stuttgart 2014
ISBN:
9-783-613-507-876
Preis:
19,95 Euro
Frank Thiele - Official website
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